Kultur
Die Kultur in Samnaun ist geprägt von der Lage im Dreiländereck. Viele Kulturen haben über Jarhunderte ihre Spuren hinterlassen, die heute noch in verschiednen Bräuchen oder der Sprache lebendig sind.
Eine reiche Kultur hat Samnaun auf seinem Werdegang begleitet und ist noch heute stark verankert. Das Talmuseum im unter Heimatschutz stehenden Chesa Retica in Samnaun Plan gibt den besten Überblick über die Schaffenskraft der Samnauner. Es zeigt das Leben in den Jahren 1600 - 1900. Ein weiterer kultureller Schatz ist die unter Denkmalschutz stehende Pfarrkirche St. Jakob. Sie wurde um 1500 in Compatsch erbaut. Sehenswert sind nebst der Kirche auch die in jeder Fraktion des Tales anzutreffenden Kapellen.

Allgemeines zur Kultur
Die geografische Abgeschiedenheit Samnauns brachte einen Sprachwechsel von Romanisch ins Deutsche mit sich. Die Samnauner sind in sprachlicher Hinsicht die kleinste Minderheit der Schweiz. Der Tiroler Dialekt der Einheimischen gehört sprachwissenschaftlich zum Südbairischen. Flurnamen erinnern heute noch an die romanischen Vorfahren.
Der gebürtige Samnauner Pater Maurus Carnot war Priester, Dichter und Lehrer. Es gibt eine Pater Maurus Carnot Stiftung, die Werke von ihm sammelt und veröffentlicht.
Sitten und Bräuche
Früher waren in Samnaun eine Reihe von Bräuchen sehr lebendig. Heute beschränken sich die Bräuche vor allem auf zwei Anlässe, die den Kindern vorbehalten sind.
Am Neujahrstag suchen die Kinder nach der Messe alle Häuser auf, indem sie den Erwachsenen den Spruch "Mir winscha ench a glickseiligs nuis Jour" die Neujahrswünsche entgegenbringen. Die Kinder erhalten als symbolisches Dankeschön ein kleines Geldstück.
Ein anderer Brauch bezieht sich auf den Abend vor dem Nikolaustag. Die Kinder eines jeden Dorfes besuchen - als Kläuse und Schmutzlis gekleidet, mit Kuhglocken ausgerüstet - jede Familie ihres Dorfes. In den Häusern singen sie Lieder und tragen Gedichte vor. Als Dank erhalten sie Geld und Süssigkeiten. Dieser sehr schöne Brauch nennt sich "Clauwau".
Dieser Brauch hat in Samnaun eine neue Dimension erhalten. Zum Start in die Wintersaison finden die Clau Wau Santa Claus World Championship statt.
An dieser Stelle wollen wir aber auch noch von Bräuchen sprechen, die heute leider nicht mehr praktiziert werden.
Mehr oder weniger in jedem Haushalt wurden früher im Januar/Februar ein oder mehrere Schweine geschlachtet. Bei dieser Gelegenheit wurden die Nachbarn und Verwandten zum Wurst- oder Speckessen eingeladen. Im Laufe des Abends erhielt die Gesellschaft Besuch von maskierten Burschen und Mädchen aus dem Dorf, den sogenannten "Maschgerern". Mit verstellter Stimme trugen die Jungen Darbietungen vor und foppten diesen oder jenen Gast. Anschliessend an ihre "Vorstellung" erhielten sie von den Hausherren eine Kostprobe der Hausmetzgete. Eine andere Sitte des Samnauntales hing mit der Verlobung zusammen. Diese durfte nach alter Tradition nur am Stephanstag gefeiert werden. Waren sich Braut und Bräutigam einig, so galt für sie die Regel, dass ihr Versprechen geheim gehalten werden musste, bis der Zeitpunkt für die öffentliche Verkündigung gekommen war. Eine Woche vor Weihnachten bestellte die Braut bei einer verlässlichen Verwandten oder beim Bäcker ein grosses Birnbrot, das am Abend vor dem Fest in aller Heimlichkeit in ihr Haus getragen wurde. Am Morgen des Stephanstages erschien der Bräutigam in Gesellschaft mehrerer Männer aus seiner Familie mit einigen Flaschen Wein im Hause der Angebeten. Hier vollzog sich der feierliche Akt der Verlobung. Der Braut stand das Recht zu, das Messer in das Brot zu stechen, während der Bräutigam dasselbe in Schnitten aufteilte und jedem Anwesenden eine davon zusammen mit einem Glas Wein anbot. Dieser Brauch ging als sogenanntes "Birnbrotschneiden" in die Geschichte von Samnaun ein.
