Ferien in Samnaun, Schweiz

«Wir garantieren Skibetrieb ab 8.00 Uhr»

Lawinen sprengen mit Hans Kleinstein

In der Nacht fiel Schnee, dann klarte der Himmel auf – in Samnaun steht ein herrlicher Wintertag bevor. Hans Kleinstein ist seit 4.00 Uhr auf den Beinen, um für sichere Pisten zu sorgen. Nun fährt er mit dem Schneemobil zum Palinkopf, wo er letzte Lawinen sprengt. Um 8.00 Uhr müssen alle Pisten bereit sein.

Unterwegs in der Ski-Arena Samnaun-Ischgl

Tipps von Hans Kleinstein

239 Pistenkilometer, 45 moderne Bahnanlagen und 15 Bergrestaurants: Die Ski-Arena Samnaun-Ischgl ist gross und weit. Der Pisten- und Rettungschef von Samnaun erklärt, wie Sie den Überblick behalten.

  • „Am einfachsten entdecken Sie die grenzübergreifende Ski-Arena auf einer der drei Schmugglerrunden. App herunterladen, tracken und losfahren!“
  • „Auf der Alp Trida und Idalp führen Lifte in alle Himmelsrichtungen hoch. Dadurch können Sie den ganzen Tag in der Sonne fahren und dem besten Schnee nachspüren.“
  • „Eines der Highlights ist der «Duty Free Run». Die 11 km lange Piste führt vom Palinkopf (2864 m) bis nach Samnaun. Sie erreichen die Abfahrt nur über die österreichische Seite.“
  • „Unterschätzen Sie nicht die grossen Distanzen zwischen Ischgl und Samnaun. Planen Sie genügend Zeit ein und gönnen Sie sich Stärkungspausen.“
  • „Merken Sie sich die Nummer der Bahnanlage, die Sie gerade benutzen, und die Nummer der Piste, die Sie gerade befahren. So sind wir bei einer Unfallmeldung sofort zur Stelle.“
  • „Falls ein Unfall passiert: Unfallstelle sichern und Rettungsdienst per Telefon alarmieren. Sie können auch bei allen Bahnanlagen und Restaurants Meldung erstatten.“

 

«Früher mussten wir in Lawinenhänge fahren»

Hans Kleinstein ist ein echter Samnauner, der sein ganzes Leben im Tal verbracht hat. Als leidenschaftlicher Skifahrer, der sich zudem für Medizin und Technik interessiert, ist ihm schnell klar geworden, dass er einmal im Rettungsteam der Bergbahnen arbeiten möchte – inzwischen sind es 25 Jahre.

Seit 2006 ist Hans Kleinstein Pisten- und Rettungschef der Bergbahnen Samnaun. Der 51-Jährige führt ein Team von sieben Patrouilleuren, die Pistenmarkierungen aufstellen, Absperrnetze befestigen, sich um Verunfallte kümmern – und nicht zuletzt Lawinen sprengen.

Mit den Sprengungen werden Lawinen künstlich ausgelöst. Das Ziel ist, gefährliche Hänge zu entlasten, damit die darunterliegenden Pisten sicher zu befahren sind. Es gibt drei Arten, wie Hans und sein Team Lawinen sprengen: von Hand, mit dem Helikopter oder mit Sprengmasten.

Herr über 80 Sprengmasten

«Handsprengungen führen wir an Hängen aus, die wir einfach erreichen können. Der Helikopter kommt zum Einsatz, wenn extrem viel Schnee gefallen ist. Die meisten Sprengungen jedoch führen wir mit Sprengmasten aus», erklärt der Fachmann.

46 solche Sprengmasten stehen allein im Skigebiet von Samnaun. 34 weitere Masten, für die Hans ebenfalls mitverantwortlich ist, sichern die Samnaunerstrasse vor spontanen Lawinenabgängen. Hans kann die Sprengungen per Computer oder Smartphone auslösen. Die Sicherheitsvorkehrungen laufen dabei ähnlich ab wie beim E-Banking. Jeder Masten ist mit einem mehrstelligen Code hinterlegt, den Hans eintippen muss.

700 bis 800 Sprengungen

Der Sprengstoffverbrauch wird von der Polizei genau kontrolliert. Und es ist nicht wenig Sprengstoff, der in Samnaun verbraucht wird. «Allein mit den Masten machen wir 700 bis 800 Sprengung pro Winter. In einem sehr schneereichen Winter können es auch doppelt so viele sein», sagt Hans.

Für die Umwelt sind Lawinensprengungen keine Belastung: Der Sprengstoff hinterlässt keine Rückstände. Der Ringverschluss, welcher bei den Mastensprengungen in den Schnee fällt, ist biologisch abbaubar. Und die Masten werden mit Solarstrom betrieben.

Sprengmasten sind in Samnaun seit 2001 im Einsatz. «Unsere Arbeit ist dadurch sicherer geworden», sagt Hans. «Früher mussten wir mit Ski in Lawinenhänge fahren, heute können wir aus sicherer Distanz sprengen». Nicht zuletzt kann der Pistendienst dank den vielen Sprengmasten einen Skibetrieb ab 8.00 Uhr garantieren – «und das täglich», wie Hans Kleinstein betont.

 

Bilder: Dominik Täuber.

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