Marco Tumler

Vom Skirennfahrer zum Nachwuchstrainer

Marco Tumler auf der Piste
Wenn er über die Pisten von Samnaun carvt, schauen ihm die Leute gerne zu. Marco Tumler ist ein formidabler Skifahrer. Dreimal stand er am Start eines Weltcuprennens. Heute setzt er seine Erfahrung als Juniorentrainer ein und zeigt den einheimischen Kindern, warum es so wichtig ist, zentral über dem Ski zu stehen.

Im Skiclub Samnaun wird dreimal pro Woche trainiert: am Samstag, am Mittwochnachmittag und am Dienstagabend auf der beleuchteten Piste am Musellalift. Marco Tumler steht am Start der Nachtpiste und erklärt seinen Schützlingen den schnellsten Weg durch die Tore.

Marco weiss, wo’s langgeht

Auch der Trainer hat einst als kleiner Bub am Musellahang gelernt, wie man die Ideallinie findet. Marco ist gleich gegenüber aufgewachsen und hat jede freie Minute am Tallift verbracht. Seine Onkel waren Skilehrer und wenn sie Skischulrennen organisierten, durfte Klein Marco als Vorfahrer starten.

Jede freie Minute auf der Piste

So begann seine Laufbahn als Skirennfahrer. Später absolvierte er das bekannte Schigymnasium in Mals und durchlief eine Kaderstufe um die andere, bis er im Januar 2012 drei Weltcup-Slaloms bestreiten konnte. In der höchsten Rennserie vermochte er sich aber nicht durchzusetzen. 2017 beendete er seine Sportkarriere und begann die Ausbildung zum Berufstrainer, die er vor einem Jahr erfolgreich abgeschlossen hat.

Optimale Trainingsbedingungen mitten im Dorf

Clubpräsident mit viel Erfahrung

Nun profitieren die Kinder, die im Skiclub Samnaun trainieren, von seinem grossen Erfahrungsschatz und Fachwissen. «Ich schaue sehr darauf, dass die Jungs und Mädchen lernen, immer zentral über dem Ski zu stehen. Denn so können sie reagieren, wenn etwas Unerwartetes passiert.» Das helfe nicht nur, um schnell zu sein, sondern auch um Verletzungen vorzubeugen. Zentriertes Skifahren sei deshalb für alle wesentlich, vom 5-jährigen Buben, über den ambitionierten Hobby-Skifahrer bis zu den Top-Athleten und Athletinnen im Weltcup.

Ich schaue sehr darauf, dass die Kinder zentral über dem Ski stehen.

Die Talentschmiede aus Samnaun

Neben seiner Funktion als Trainer amtet Marco auch als Präsident des Skiclubs Samnaun. Der Club gilt als Talentschmiede. Regelmässig schaffen es Athletinnen und Athleten, die in Samnaun das Skifahren erlernt haben, in den Weltcup. Martin Hangl, der Super-G Weltmeister von 1989, ist wohl der bekannteste. Auch sein Bruder Marco Hangl fuhr aufs Weltcuppodest und seine Nichte Célina Hangl war ebenfalls eine arrivierte Weltcupfahrerin. Viele andere waren nahe dran, um den Sprung in den Weltcup zu schaffen. Aktuell stehen Stephanie Jenal (B-Kader), Sandro Jenal (B-Kader) und natürlich Thomas Tumler (Nationalmannschaft) – der jüngere Bruder von Marco – in einem Kader von Swiss-Ski.

Aushängeschild aus Samnaun: Thomas Tumler, der Bruder von Marco. © Agence Zoom

Fünf Monate lang Pulverschnee

Wie erklärt sich diese erstaunliche Talentdichte in der kleinen Gemeinde mit nur rund 800 Einwohnern? «Skifahren ist ein Teil des Lebens hier oben und viele Familien sind einfach unglaublich skibegeistert», sagt Marco. «Zudem haben wir die Möglichkeit von Ende November bis Anfang Mai auf Pulverschneepisten Ski zu fahren».

Skifahren ist in Samnaun ein Teil des Lebens.

Doch um den Weg an die Weltspitze zu schaffen, brauche es mehr als ein schönes Skigebiet, weiss der ehemalige Rennfahrer. «Das Umfeld muss stimmen und die Athleten brauchen den nötigen Biss und Willen, den hier wohl viele haben». Das Ziel des Skiclubs sei aber nicht nur möglichst viele Topathleten hervorzubringen, sondern den Kindern Freude am Skifahren zu vermitteln, betont der Clubpräsident.

Der Greitspitz (2870 m ü. M.) ist der höchste Punkt im Skigebiet

239 Pistenkilometer, 45 Bahnanlagen

Marcos Lieblingsort im Skigebiet ist der Greitspitz, mit 2870 Metern der höchste Punkt der Silvretta Arena Samnaun/Ischgl. Während seiner Zeit als Skirennfahrer hat er zig Skigebiete auf der ganzen Welt gesehen, doch an sein Heimgebiet würden nur ganz wenige herankommen. Nur schon die Zahlen sprechen für sich: 239 Pistenkilometer, 45 moderne Bahnanlagen, 15 Bergrestaurants. «Hinzu kommen eine unglaubliche Vielfalt und beindruckende Berglandschaften. Hier aufgewachsen zu sein, ist ein wahres Privileg», so Marco.

Vielfalt im Skigebiet Samnaun
Eine gute Fitness hilft, um das Skigebiet voll auszukosten.

Beliebte Morgensonne von Samnaun

Sein Tipp: Früh aufstehen. Dann kann man die Morgensonne auf den Samnauner Pisten in Ruhe geniessen, noch bevor die Leute von Ischgl herüberkommen. Und wie behält man in diesem riesigen Skigebiet die Orientierung? Am Anfang könne man von den vielen Sesselbahnen fast überfordert sein. Darum rät Marco, sich die wichtigen Knotenpunkte zu merken: Alp Trida, Idalp und Höllkar. Einer dieser Orte sehe man fast immer, wenn man von einer Sesselbahn steigt. Wichtig sei zudem, die Distanzen nicht zu unterschätzen. «Eine gute Fitness hilft, um das Gebiet voll auszukosten», weiss der Skitrainer.

Skifahren und Whisky: Damit kennt sich Marco Tumler aus.

Herr über 1000 Whisky-Sorten

Wenn Marco gerade nicht auf den Skiern steht, ist er im elterlichen Betrieb tätig. Mit mehr als 1000 Whisky-Sorten ist das Geschäft eine beliebte Adresse für jeden Single Malt-Fan. Aber auch Blends, Bourbons und zahlreiche Raritäten sind zu finden. Die Auswahl an Grappa, Gin und Rum ist ebenfalls beeindruckend. Der Laden, der auch Kosmetika und Parfüms führt, gehört zum Zollfrei Paradies Samnaun. Geschäftsleiter ist inzwischen Julian Tumler, der jüngste der drei Brüder.

Die Zollbestimmungen in der EU und in der Schweiz sind unterschiedlich.

Zwei bis drei Tage pro Woche arbeitet Marco im Verkauf. Oft werde er gefragt, was passiert, wenn man am Zoll mit mehr Flaschen als erlaubt erwischt wird. «Man zahlt natürlich eine saftige Busse! Also besser alles korrekt verzollen, viele Produkte sind nämlich auch so noch günstiger». Und wichtig zu wissen sei, dass in der EU und der Schweiz unterschiedliche Zollbestimmungen gelten.

Marco im Gespräch mit seinem Vater

Daumendrücken für Thomi Tumler

Bereits nach der Matura fing Marco an im Familienbetrieb mitzuhelfen. Hier konnte er flexibel arbeiten und sich gleichzeitig aufs Skifahren konzentrieren. Viele Jahre war er gemeinsam mit seinem Bruder Thomas unterwegs. Sie trainierten zusammen, pushten sich und wollten immer schneller als der andere sein. «Wir hatten eine gesunde Rivalität», erinnert sich Marco. Auch heute pflegen die Brüder ein enges Verhältnis zueinander. «Wir tauschen uns regelmässig über den Skisport und das Leben aus. Ich bin eine wichtige Vertrauensperson für Thomi».  

Wir hatten eine gesunde Rivalität unter Brüdern.

Wer wird der nächste Skistar aus Samnaun?

Nun hofft Marco, dass sein Bruder nach einer langwierigen Bandscheibenverletzung wieder an alte Erfolge anknüpfen kann. Zweimal stand Thomas Tumler bereits auf einem Weltcup-Podest. Die Grundlage dafür hatte er einst am Musellahang gelegt. Dort, wo Marco Tumler jeden Dienstagabend die Skicracks von Morgen anfeuert: «Pushen, pushen, pushen».

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Text: Franco Furger

Bilder: © Mayk Wendt