«Samnauner Dialekt»

Samnaun Dialekt
Gemäss Überlieferung war bis um 1820 innerhalb des Tales das Romanische die Hauptsprache und in den meisten Familien wurde ausschliesslich romanisch gesprochen. Verstanden und zum Teil auch gesprochen wurde das Romanische in vielen Familien bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts.  Durch die geographische Lage des Samnauns ergab sich schon früh eine weitgehende Orientierung ins Tirol, was zur Folge hatte, dass sich die Samnauner als Zweitsprache auch die Sprache der Tiroler aneignen mussten.

Sonderzeichen

  • å Laut zwischen a und o
  • ë Laut zwischen e und ö
  • ε angedeutetes e (a)
Samnaun Dialekt

Was das Volk einst erzählte

Der Ålpschtoan                                                

Dεr «Ålpschtoan» isch εn riisagroassa Schtoan wo pa dεr «Untεr Ålp» schteat. Wia friar ålba dεrzëilt gwoara isch håt a Heks dej Schtoan pa di «Schwårza Wänd» khoult und håt εn wëlla in Firti in Tåul åucha tråuga. Si håt in Sinn khët dej riisig Schtoan af «Larët» z wearfa und ds Doarf zåmt di Lait z grund z richta. Åuber wou si zu dεr «Untεr Ålp» åucha kejma isch, isch ra ds Firtipånd procha und si hådej Schtoan miassa fålla låssa und håεn denn numme kenna waitεr tråuga.                             

Saidεr denn schteat dear riisagroass Schtoan pa dεr «Untεr Ålp» und hoast «Ålpschtoan».     

Der Alpstein

Der «Alpstein» ist ein riesengrosser Stein, der bei der «Unteren Alp» steht. Wie früher immer erzählt worden ist hat eine Hexe diesen Stein bei den «Schwarzen Wänden» geholt und wollte ihn in der Schürze ins Tal hinunter tragen. Sie hat die Absicht gehabt diesen riesigen Stein auf «Laret» zu werfen und das Dorf mit samt den Leuten zu Grunde zu richten. Aber als sie zu der «Unteren Alp» hinunter gekommen ist, ist ihr das Schürzenband gerissen und sie musste den Stein fallen lassen und hat ihn dann nicht mehr weiter tragen können.

Seitdem steht dieser riesengrosse Stein bei der «Unteren Alp» und heisst «Alpstein».

Samnaun Dialekt

Grussformen

«Iats gea nu ga marenda!» – Jetzt gehe nur zum Imbiss!

«Håubats as påld?» – Habt ihr es bald?

«Schlåuf gsund!» – Schlafe gesund oder gute Nacht!

«Lëib wohl!» – Lebe wohl oder auf Wiedersehen!

Samnauner Dialekt

Kinderreim

Liirum, laarum, Löffεlstiil,                               Liirum, laarum, Löffelstiel,

ålta Waibεr frëssa viil,                                     alte Frauen essen viel,

junga Maadla miassa fåschta                        junge Mädchen müssen faschten

mit Prot und Kaas in Kåschta.                       mit Brot und Käse im Kasten.

Sprichwörter

«Di Henna håt gmoant si hai glëit und dεrwail håt si nu gschissa.»

Die Henne hat gemeint sie habe gelegt und dabei hat sie nur geschissen. So wird zum Ausduck gebracht, dass Meinen als Grundlage für einen Entscheid nicht ausreicht.

«Wåus dεr Pauεr nit kennt, frisst εr nit.»

Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.

Samnauner Dialekt

Redensarten

«Dåu geats zua, wia in ëiwiga Lëiba.»

«Hier geht es zu und her, wie im ewigen Leben» heisst, dass es sehr laut und turbulent zu und her geht.

«Dåu wear i nit lång Krumms måcha.»

Es drückt aus, dass man nicht bereit ist lange zu verhandeln.

«Dëis isch khupft wia gschprunga.»

«Das ist gehüpft wie gesprungen» heisst, dass es völlig gleichgültig ist, welche von zwei möglichen, meist eher schlechten Varianten gewählt wird.

«Du håsch a Gadächtnis wia Nudlsiib.»

«Du hast ein Gedächtnis wie ein Nudelsieb» bedeutet, dass der Betroffene ein äusserst schlechtes Gedächtnis hat.

Samnauner Dialekt

«Du schausch aus wia gschpiibas Milchmuas.»

«Du siehst aus, wie ein erbrochenes Milchmus» sagt aus, dass der Angesprochene aussergewöhnlich fahl und blass aussieht.

«Ear isch krånk af dεr frëssat Pånk.»

«Er ist krank auf der fressenden Bank» sagt man, wenn man annimmt, dass der Betroffene Krankheit vortäuscht, um sich vor Arbeit und Pflicht zu drücken.

«Iatz isch denn påld gnua Haa dunta.»

«Jetzt ist bald genun Heu unten» heisst, dass die Grenze des Tolerierbaren bald erreicht ist.

«Rëid odεr schaiss Puachschtåuba.»

«Rede oder scheiss Buchstaben» ist eine Aufforderung an jemand zu reden, wenn er lieber nichts sagen würde.

Samnauner Dialekt

Spezielle Samnauner Mundartwörter

ållapott – ständig, oft

asiawats – manchmal

Firlafanz – wertloser Kram

frittlat – verrücktes Gehabe

Guttra – Flasche

halfgott – wünscht man beim Niesen

Hoangεrt – Zusammenkunft zum gemütlichen, unterhaltsamen Plaudern

Ibradiibεrt – kopfüber, durcheinander

kamot – bequem

Kaudεrwalsch – unverständliche Sprache

Samnauner Dialekt

magaari – reichlich

morz; a morz Drum – Adjektiv zur Vergrösserung; ein sehr grosses Stück

narsch – kindisch, albern

Nouna – Grossmutter

Påtscha – Hausschuhe

påufa – speicheln, sabbern

pleara – lautes Weinen

Puischla – Kuh

schërga – verraten, ausplaudern

schimpfla – spielen der Kinder mit Spielsachen

Samnauner Dialekt

schtruuza – mühsames nachziehen

suandla – trödeln

tickna – Streiche spielen

tratza – ärgern, necken

tschearfna – die Schuhe beim Gehen über den Boden streifen

ungwarrli – gefährlich

vεrgaltsgott – Dankeschön

vεrnoara – angenehm verweilen bzw. sich beschäftigen

woadli – schnell

Zåuft – grippeartige Erkrankung

Quellen:
Vom alten Leben in Samnaun, Karl Jenal-Ruffner
Aus der Geschichte der Talschaft Samnaun, Arthur Jenal